Pressespiegel 2008
Rhein-Zeitung vom 29.07.2008
PopEyed gewinnen das Gaukler-Finale
Australische Akrobaten begeistern Publikum und Jury mit Kraft und Flexibilität - Puppenspieler René Marik auf Platz zwei, Komiker-Trio auf Platz dreiDie Gauklerfest-Sieger kommen aus Australien: Das Akrobatik-Duo PopEyed setzte sich am Ende souverän durch und überzeugte Publikum wie Jury mit Kraft und Eleganz. Die weiteren Preisträger des 17. Internationalen Gaukler- und Kleinkunst-Festivals der Stadt zeigen, wie groß die künstlerische Vielfalt in diesem Genre ist: René Marik macht Puppentheater für Erwachsene, und das Komiker-Trio mit Kotini Jr., Raymond und Mr. Sputnik schillert zwischen Tanz, Clownerie und visueller Comedy.
KOBLENZ. Ausbilder Schmidt, der Comedy-Moderator in der Bundeswehr-Uniform, gibt wie immer routiniert den Armee-Stinkstiefel: "Hinsetzen, Schnauze halten!", lautet sein Tagesbefehl ans Finalpublikum unter der Zeltkuppel der Hauptbühne. Doch das hätte der Soldat wohl gerne! Beim Koblenzer Gauklerfest-Finale setzt man sich vielleicht hin - wenn man das Glück hat, einen der begehrten Sitzplätze zu ergattern. Die Schnauze hält man als Zuschauer aber nicht. Man öffnet den Mund häufig zum Staunen oder noch häufiger zum Lachen. Stumme Befehlsempfänger sind die Gauklerfans mitnichten.
Auch zu beklatschen gibt es einiges, als das 17. Internationale Gaukler- und Kleinkunst-Festival mit der von einer Jury zusammengestellten Finalshow zu Ende geht. Zum Beispiel die Sonderpreise. So wird zum einen der wohl spektakulärste Walk-Act des Wochenendes mit dem ersten der mit 500 Euro dotierten Sonderpreise ausgezeichnet: das Bouldegom Théâtre aus Marseille, dessen Akteure als riesige, fantastisch gestaltete "alte Damen" über die Plätze zogen. Der zweite Sonderpreis geht an fünf junge A-cappella-Musiker aus Bad Kreuznach: "So! ... und nicht anders" heißt die Band, die eine charmante Kostprobe ihres Könnens abliefert.
Und dann gibt es noch den "Arsch mit Ohren", den Sonderpreis des Fördervereins Kultur im Café Hahn: Er ehrt wieder ein komödiantisches Lebenswerk, diesmal das von Rob Spence. Der sympathische Australier steht seit Jahrzehnten auf der Bühne - ohne auch nur einen Funken Unterhaltungswert, Präsenz oder Einfallsreichtum eingebüßt zu haben. Applaus!

Sieben Gruppen oder Einzelkünstler stellen sich dann dem Wettbewerb, über die Platzierung und die Vergabe der Preise - dotiert mit 2000, 1500 und 1000 Euro - entscheidet eine durch zwei Zuschauer ergänzte Fachjury. Ziemlich eindeutig sieht die am Ende PopEyed ganz vorne - noch mehr australische Sieger an diesem Abend also. Die beiden Akrobaten treten als Lebensretter vom Strand auf, und ihre Aufwärmübungen lassen jeden Zuschauer vor Phantomschmerzen aufschreien, so spektakulär überdehnen die vor Kraft strotzenden Kerle ihre Gliedmaßen, um dann Akrobatik der höchsten Kategorie zu zeigen - eine starke Show!

Und nun zu etwas völlig anderem: Auf Platz zwei findet sich am Ende René Marik wieder, ein Puppenspieler. Hinter einem schlichten schwarzen Vorhang und mithilfe von Handpuppen lässt er ganze Universen entstehen. Marik hat mit seinen Tierfiguren, etwa dem arroganten Frosch Falkenhorst oder dem Maulwurf mit dem Sprachfehler, Kultstatus erreicht. Seine Videos werden tausendfach aus dem Netz heruntergeladen, auch den Prix Pantheon hat er bereits im Regal stehen. Sein skurriler Humor treibt das Publikum zu Tränen.

Gute Bekannte kommen auf Platz drei: Den Bewegungskomiker Kotini Jr. und Clown Raymond kennt man aus dem Weihnachtsvarieté, hier werden sie nun vom Pianisten Mr. Sputnik musikalisch unterstützt.
Wiederum glänzt das Finale durch Vielfalt, wozu etwa der bestechende Jongleur Clarke McFarlane als "Mario, Queen of the Circus" beiträgt, der als Teil des Duos Planet Banana im Jahr 2003 schon einmal ganz oben auf dem Siegertreppchen stand. Oder auch die Breakdancer von Soulful Vibes, der junge, wortgewandte Zauberkünstler Erasmus Stein und schließlich der Gentleman-Jongleur Jeton.
Rhein-Zeitung vom 28.07.2008
Tausende lachten mit
Altstadt verwandelte sich am Wochenende wieder einmal in ein großes Freiluft-Varieté
Wenn venezianische Gondeln durch die Altstadt schippern, Neandertaler den Jesuitenplatz erobern, Dinosaurier vor der Liebfrauenkirche fauchen und King Kong auf einem Laternenpfahl sitzt, dann kann das nur eines bedeuten: In Koblenz sind die Gaukler los.
KOBLENZ. Das 17. Gaukler-Festival hat die Altstadt wieder einmal in ein großes Freiluft-Varieté-Theater verwandelt, in dem Raum und Zeit grenzenlos erscheinen.
Sogar in Venedig zu sein, wird den Koblenzern am Wochenende vorgegaukelt: Mit ihren vier Meter langen Gondeln schieben sich die beiden Gondolieri Mario und Orlando am Samstag durch den Entenpfuhl, pardon: durch den Canale Grande natürlich. Abgerundet wird der italienische Nonsens auch noch musikalisch. Und wie! Denn das offenbar geradewegs aus Venedig nach Koblenz entflohene Duo transportiert ein Liebespaar nach dem anderen mit seinen romantischen Nostalgie-Gefährten nicht nur durch die Altstadt, sondern auch noch geradewegs in den siebten Schlager-Himmel.
Voller Inbrunst schmettern die beiden alles, was an noch so schmalzigen Schmachtfetzen je einer Komponistenfeder entronnen ist, in den Koblenzer Abendhimmel. "Herrlich, ach, das ist einfach nur herrlich komisch", kommentiert einer der vielen Hundert Zuschauer, die den Weg der Gondolieri trotz eines Wolkenbruchs säumen, der sich gerade entlädt. Herrlich komisch: Das ist ein Lob, ein Prädikat, das an diesem Wochenende nicht nur auf den Italo-Import zutrifft. Ein farbenfroher Schleier, die besondere Atmosphäre, der Mix aus Komödie, Fantasie, ein Feuerwerk an Akrobatik hat sich über Koblenz gelegt.
Sphärische Klänge künden etwa vor der Liebfrauenkirche einen urzeitlichen Sinneskitzel und Augenfang überdimensionaler Größe an: Drei gut und gerne mit ihren Hälsen fünf Meter in die Luft ragende Dinosaurier schieben sich hier durch die Menge. Ganz gewiss: Das Zebra-Stelzentheater ist mit seinem mystischen Auftritt einer der optischen Höhepunkte des Gauklerfestes, einer der Zuschauermagnete.

Wenige Meter weiter macht der Deutsch-Ire Shiva Grings größenmäßig zwar nicht so viel her. Allerdings nur, was diejenige Größe anbelangt, die man mit einem Zollstock messen kann. Die Show, die der Freiburger Straßenkünstler als wild gewordener King Kong abzieht, legt die Komik-Messlatte nämlich in schwindelerregende Lachhöhe. In der Gaukler-Fest-Version des Kino-Klassikers wird zwar ausnahmsweise keiner echten, sondern einer weißen Barbieblondine mit brachialer Gewalt der Kopf abgebissen, und King Kong rettet sich dann zwar nicht auf einen Koblenzer Wolkenkratzer, sondern nur auf einen Laternenpfosten; doch an humorvoller Dramatik ist das Spektakel kaum zu überbieten - spätestens dann, als das Publikum von Shiva Grings auch noch animiert wird, ihn, den vermeintlichen Riesenaffen, mit Papierfliegern "abzuschießen".

Da mutet das Kampfwerkzeug der Steinzeittruppe auf dem Jesuitenplatz schon gefährlicher an: Mit Axt und Keule traktieren hier Neandertaler die Menge, strapazieren mit einem maßgezimmerten Holz-Laufrad und ihrem Grunzstimmen-Klamauk aber in erster Linie die Lachmuskeln der Zaungäste. Vor allem, als einer der fellbehangenen Jäger und Sammler eine Bürste aus einer Handtasche einer Zuschauerin grabscht und beginnt, sich damit die Brusthaare in Form zu frisieren.
Doch nicht nur die umherziehenden Künstler, die sogenannten "Walk Acts", erstürmen und erobern am Samstag die Altstadt, nicht nur Jongleure, Akrobaten und Gaukler ziehen die Passanten in ihren Bann. Auch auf den Bühnen der Altstadtplätze können sich die Menschen von Komödianten verschaukeln und von Zauberern verzaubern lassen. Und bisweilen herrscht auch zynische Ironie. Beim Fahnenappell von Dirty Fred auf dem Görresplatz etwa, der ein paar Rekruten aus dem Publikum zu Anti-Terrorkämpfern ausbildet, und mit seiner bissig-beißenden Parodie auf militärischen Drill brilliert.

Perlen der Kleinkunst reihen sich zudem am Samstagabend auf der großen Varieté-Bühne auf dem Schulhof des Görres-Gymnasiums wie auf einer Schnur aneinander. Der Andrang zur Gaukler-Gala ist so gewaltig, dass er nur mit zusätzlicher Großleinwand bewältigt werden kann, auf der diejenigen das Spektakel mitverfolgen können, die auf den hintersten Rängen kaum noch Blickkontakt zur Bühne haben. Gelacht und geklatscht wird vor dem Riesenbildschirm aber wie in der ersten Reihe, nicht nur, aber besonders lautstark bei Paul Morocco & Olé, einem Gitarren-Trio, das den spanischen Gegenpart zu den Gondolieri Mario und Orlando bildet und den Görresschulhof mit Flamenco-Comedy allererster Güte in eine andalusische Hazienda verwandelt.
Fotos: Annette Herrmann
Rhein-Zeitung vom 28.07.2008
Gondolieri gaukelten Koblenzern Venedig und den Canale Grande vor

Der Entenpfuhl wurde zum Canale Grande, den Jesuitenplatz hatten grunzende Neandertaler eingenommen, Urzeit-Dinosaurier reckten ihre Hälse vor der Liebfrauenkirche in den Koblenzer Himmel empor, und ein vermeintlicher King Kong brüllte furchteinflößend von einem Laternenpfahl in der Altstadt: Wer am Wochenende durch Koblenz schlenderte, stieß auf Schritt und Tritt auf die Klamauk-Akteure des 17. Gaukler-Festivals. Jongleure, Akrobaten und Komödianten hatten von Freitag bis Sonntagabend die Regie in der Altstadt übernommen. Dem Publikum gefiel"s.
Rhein-Zeitung vom 26.07.2008
Gauklerfest hat mit Varieté-Gala im Zelt begonnen

Manege frei für das 17. Internationale Gaukler- und Kleinkunstfestival der Stadt Koblenz: Mit der Varieté-Gala auf der Zeltbühne am Görres-Schulhof hat am gestrigen Freitagabend das Gauklerfest begonnen. Am heutigen Samstag beginnt das Programm mit Jongleuren, Akrobaten und Komikern aus der ganzen Welt um 16 Uhr auf mehreren Bühnen in der Altstadt. Am Sonntag geht es bereits um 14 Uhr los. Das Fest endet mit dem großen Finale um die Gauklerpreise der Stadt am Sonntag um 20 Uhr, wiederum auf dem Schulhof des Gymnasiums. Auch am Samstag gibt es um 20 Uhr eine Gala. Der Eintritt ist überall und jederzeit frei.

