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Pressespiegel 2007



Rhein-Zeitung vom 07.08.2007

 

Die Starbugs gewinnen beim Gauklerfest

Schweizer Tanz-Akrobaten setzen sich im Finale durch - Erik Ivarsson und Elastic folgen auf den Plätzen - Sonderpreis für Extrem-Clown Jango Edwards

Tanz-Akrobatik, Einrad-Artistik, Komik und natürlich Jonglage: Mit einem wie stets vielseitigen Finale ist vor Tausenden Zuschauern das 16. Internationale Gaukler- und Kleinkunst-Festival in Koblenz zu Ende gegangen. Zum Schluss standen die Sieger fest: Starbugs aus der Schweiz. Und auch einer der umstrittensten Künstler des Festivals wurde mit einem Preis versehen: Brachial-Clown Jango Edwards.

StarbugsKOBLENZ. In die Siegesliste des Koblenzer Gauklerfests haben sich schon einige internationale Stars eingetragen - Laura Kibel, Scott the Magician, Elliot, Angel Ramos Sanchez, The Flying Dutchmen zum Beispiel. Dazwischen stehen aber auch immer wieder jüngere Künstler, die sich im Finale durchsetzen konnten - Christoph Engels zum Beispiel oder auch Jongleur Stefan Zimmermann. Nun kommt eine junge Artistengruppe dazu: Starbugs aus der Schweiz bringen moderne Tanzästhetik in die Gauklerwelt - und sicherten sich nun gleich den ersten Platz beim renommierten Koblenzer Festival.

Acht Programmpunkte hatte die Jury in diesem Jahr für die Finalshow ausgewählt - einer mehr als in den Jahren zuvor, ein Spiegel der Vielfalt des 16. Festivals. Und wie stets gab es Sonderpreise zu vergeben: Über jeweils 500 Euro und eine Einladung zur nächsten Auflage freuten sich die Mabo Band aus Italien, die als musikalischer Walk-Act die Altstadt unsicher gemacht hatten, und der US-Künstler Dirty Fred, dessen freche Comedyshow mit reichlich Anspielungen auf den "Krieg gegen den Terror" und Wasserbomben als "Massenvernichtungswaffen" für Aufsehen gesorgt hatte.

Jango EdwardsBuh-Rufe für Edwards

Ähnliches gilt für Jango Edwards: Der Comedy-Pionier, 1950 in Detroit geboren und seit Jahrzehnten ein Star der Szene, war als Star des Festivals eingeladen - und auch er sorgte für Aufsehen wie Diskussionen. Sein Auftritt in der Gala am Samstag war von Buh-Rufen begleitet - zu derb war vielen Besuchern die platt sexuell aufgeladene Vorführung. Edwards selbst nahm das gelassen: "Es war fifty-fifty. Aber das ist okay. Die Leute müssen mich nicht lieben." Sein Metier ist die Provokation, deshalb findet er solche Reaktionen auch nicht allzu unverständlich. Wie im Übrigen auch die Veranstalter: "Wer provoziert, muss damit leben. Es spricht aber für das Publikum, wenn es seine Meinung offen zeigt und nicht einfach alles hinnimmt. Es soll hier ja nicht nur Tralala geben", sagte Berti Hahn, der künstlerische Leiter des Festivals.

Jango Edwards jedenfalls freute sich über die Ehrung mit einem Preis, den ihm wohl auch einige Besucher des Finales gönnten: Er nahm den "Arsch mit Ohren" aus den Händen von Frank Tiedemann entgegen, dem Vorsitzenden des Fördervereins Kultur im Café Hahn. Dieser Verein stiftet und vergibt den Preis seit einigen Jahren. "Für sein Lebenswerk haben wir Jango Edwards geehrt", meinte Tiedemann. "Er hat eine, eher zwei Generationen von Fools und Clowns geprägt", meinten auch die Moderatoren von der Lonely HusBand beifällig.

Genug Vorgeplänkel, Tausende Besucher unter den beiden Zeltdächern und vor der Leinwand reservierten ihre Plätze Stunden im Voraus, um die Show mit den Glanzlichtern des Festivals zu sehen. Und die begann mit alten Bekannten: Das Pantomime-Trio Trifolie landete im Jahr 2004 auf dem dritten Platz, zeigte nun eine amüsante visuelle Show, in der Hundert-Meter-Läufer in Zeitlupe rennen und Synchronschwimmer auf einem U-Boot landen.

Jonglage im spektakulären Tempo zeigten die 3 Jongleure (darunter der einstige Sieger Stefan Zimmermann und der Weltmeister der Jongleure, Thomas Dietz), eingebettet in eine Parodie auf die drei Tenöre im Frack.

Verträumte Zirkusnummer

War das Hochleistungs-Jonglage in hohen und höchsten Schwierigkeitsgraden, wurde es mit Cirque Deux danach poetischer und ruhiger - geradezu tänzerisch-leicht. Zentral ist bei diesem Duo, das die Erinnerung an die alte Zirkus-Romantik pflegt, die Reifen-Artistik von Charlotte Smalls, eine hinreißend verträumte Nummer.

Die späteren Sieger sind da von einem anderen Kaliber, die Tanz-Performance von Starbugs zielte dank effektvoller Musik mitten ins Herz und in die Beine. "Rhythmische Sportkomik" nennen die drei Schweizer das - Breakdance trifft auf Pantomime, Streetdance auf Akrobatik.

Peter Sweet tanzte dann begnadet auf einem durchhängenden Schlappseil - sang dazu "Minnie the Moocher", fuhr Einrad auf dem Tau und jonglierte auch noch mit Keulen - großer Beifall für den spießig angezogenen Komiker aus San Francisco.

ElasticIhm folgte der spätere Drittplatzierte: Elastic aus Belgien, ein frischer Vertreter der "Visual Comedy", vielleicht ein bisschen an Elliot erinnernd. Elastic aber schluckt einen Ballon und zieht ihn anderswo wieder heraus, und er erschlägt ein Haustier namens Flippo auf der Bühne. Lustig ist es dennoch. Oder gerade deswegen.

Mit dem Trio Sorrentino kam dann ein weiterer tierischer Höhepunkt: Jester, der Hund, kann singen und beteiligte sich zudem an der Hutjonglage seines Herrchens Jan. Auch diese Aufführung atmete Zirkusluft, war rührend und komisch.

Erik IvarssonSchließlich Erik Ivarsson: Der Schwede gehört zur Weltklasse auf dem Einrad, seine knappe Aufführung bietet spektakuläres unterm Bühnendach und Temporeiches mit dem sattellosen "Ultimate Wheel". So radelte Ivarsson auf den zweiten Platz.

Tim Kosmetschke




Rhein-Zeitung vom 06.08.2007

Altstadt mit purer Fantasie verzaubert

Das Gauklerfestival lockte am Wochenende mit Perlen der Kleinkunst

Momente voller Zauber, bunter Komödie und Musik, voll hemmungsloser Kinderfreude: Die Gaukler brannten auf "ihrem" Festival am Wochenende ein Feuerwerk der Kleinkunst ab.

KOBLENZ. Auch die Wahrzeichen der Stadt müssen sich mal mit einer Nebenrolle begnügen. Dieses Schicksal ereilte am Samstagabend das Koblenzer Schängelchen, als ein Wasserkünstler aus der Theatergruppe "Rigolo" die Bühne betrat. Ein spezieller Taucheranzug versorgte den "Tausendwasser" mit seinem Element, das er aus vielen Öffnungen emporschießen ließ - vor allem aus den Fingern, die durch geschickte Handbewegungen ein beeindruckendes Wasserspiel hervorzauberten.

Rigolo Mit einem Feuerwerk solch faszinierender Varieté- und Akrobatik-Kunst belohnte das 16. Gaukler- und Kleinkunstfestival der Stadt Koblenz am Wochenende Tausende von Besuchern. Verzaubert verfolgte das Publikum das nasse "Rigolo"-Spektakel: Der Künstler ließ Bälle auf dem Wasser tanzen und inszenierte sich als lebende Fontäne, die durch skurrile Klänge und grazile Bewegungen zu gefallen wusste. Dem Schängelchen blieb unterdessen nichts anderes übrig, als hin und wieder auf die Köpfe der gebannten Zuschauer zu spucken - ein schwacher Trost für die Touristenattraktion, die sich erst nach dem Wochenende wieder der ungeteilten Aufmerksamkeit des Publikums sicher sein darf.

Die Varieté-Gala im Schulhof des Görres-Gymnasiums stimmte das Publikum am Freitagabend auf ein närrisches Wochenende ein. Am Samstagnachmittag war es dann so weit: Das fahrende Volk stürmte die Altstadt, überall zogen Jongleure, Akrobaten und Gaukler Passanten in ihren Bann. Das schöne Wetter hatte viele Neugierige angelockt, Massenansammlungen blieben in den engen Gassen nicht aus. Grund zur Eile bestand bei dem Veranstaltungsprogramm jedoch nicht: Bis Sonntagabend konnten die Besucher das Spektakel auf zehn Plätzen verfolgen, sich von Zauberern täuschen oder von Komödianten veralbern lassen.

Vor der Liebfrauenkirche verschluckte ein Buckliger meterlange Luftballons, um sie anschließend kunstvoll geknotet "auszuscheiden". Am Münzplatz glänzte das "Duo Gi Jo" mit vollendeter Akrobatik. Am Plan wiederum verzückte die Freiburger Puppenbühne kleine Zuschauer mit der Geschichte vom verzauberten König. Verzückt waren auch die Eltern, da ihr Nachwuchs das Puppentheater immer wieder mit Ausrufen und Warnungen belebte.

Die Gaukler-Gala eröffnete der unglaubliche Heinz am Samstagabend mit einem Danklied an die Sponsoren des Festivals. Perlen der Kleinkunst wurden im Schulhof des Görres-Gymnasiums geboten: Manuel Muerte beglückte das Publikum mit Zauberkunststücken in Las-Vegas-Manier, bei denen der Zylinder nicht fehlen durfte. Gab es schon keine Kaninchen, so verblüffte der Magier doch mit seiner Treffsicherheit: Den Ring einer Zuschauerin beförderte er mit einer Steinschleuder in den Mund seiner Assistentin, die das Geschoss mit den Zähnen auffangen musste. Anschließend betrat die Cellistin Rebecca Carrington die Bühne. Mit eigenwilligen Interpretationen bekannter Popsongs und Chansons überzeugte sie das Publikum von der Vielseitigkeit ihres Instruments, das sich nicht zuletzt zur leidenschaftlichen Flamenco-Einlage hervorragend eignete.

Sehenswert waren auch die "Walk acts": Die Gauklertruppe "Pas Par Tout" trabte als Elefant verkleidet durch die Altstadt. Kam der Dickhäuter zum Stehen, hob er sogleich das Bein, um zur Freude der Passanten ein bisschen Wasser zu lassen. Beeindruckend waren die Fluggeräte des "Abacus Theater", skurrile Maschinen auf Rädern, die aus Propellern, Flügeln und allerlei fantasievollen Accessoires zusammengebastelt waren. Dass sie nicht fliegen konnten, verzieh man ihnen gern. Schließlich geht es bei dem Festival nicht zuletzt um die Kunst der Illusion.

Erik Zyber