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Pressespiegel 2006



Rhein-Zeitung vom 08.08.2006

Pantomime schlägt Einrad-Action

Daniel gewinnt Finale des Gauklerfests vor den Farellos sowie Stenzel und Kiwits - Sieger von internationaler Strahlkraft

Mit einem großen Finale ist am Sonntagabend das 15. Internationale Gaukler- und Kleinkunstfestival zu Ende gegangen. Sieben Künstler stellten sich Publikum und Jury - drei Sieger wurden gekürt. Den ersten Preis heimste schließlich Le Mime Daniel ein, auf den Plätzen folgten die Farellos sowie Stenzel und Kiwits.

KOBLENZ. Gut zwei Stunden, bevor Moderator Knacki Deuser das Finale des 15. Koblenzer Gauklerfests eröffnete, waren viele Tische vor der Bühne am Görres-Schulhof schon besetzt: Wer diesen Höhepunkt der drei tollen Tage erleben will, muss sich früh auf den Weg machen. Die sieben besten Künstler des Festivals messen sich schließlich im direkten Vergleich, es geht um Preise, um Geld - vor allem aber um die Ehre.

Le Mime Daniel ist nun der 15. Sieger des Fests - wiederum ein Künstler von internationaler Strahlkraft, wie es etwa The Flying Dutchmen und Angel Ramos Sanchez ("Pepe") in den Vorjahren oder auch Laura Kibel im vergangenen Jahr waren.

In den 80er-Jahren begann die Karriere des sympathischen Franzosen, der sein Handwerk in der Schule des Meister-Pantomimen Marcel Marceau und auf der Straße lernte. Das Publikum erlebte ihn mit seiner Glanznummer: als Vogel Strauß, der ein Ei legt und das schreiende Baby versorgt. Daniel steckt dazu - in gebeugter Haltung - in einem Federkleid, sein rechter Arm stellt den Hals, seine Hand den Kopf des Vogels dar. Seine Mimik hat er nicht zur Verfügung, seine Gestik ist eingeschränkt - und doch erzählt er eine Geschichte, die teils leisen, teils recht deftigen Humor offenbart.

Völlig anders die Nummer, die auf dem zweiten Platz landete: Die Farellos präsentieren Einrad- und Akrobatik-Action im Höchsttempo - nach einem betulichen Beginn allerdings. Putzfrau und Super-Artist sind die beiden Figuren auf der Bühne, wobei sich die Arroganz des zweiten bald erledigt hat, als er entdeckt, was die unscheinbare Frau alles drauf hat. In luftigen Höhen hüpfen und rasen die beiden Künstler, eine akrobatische Vorstellung mit hohen und sogar höchsten Schwierigkeitsstufen.

Klamauk auf dem dritten Platz: Stenzel und Kiwits wollen dem Publikum ein "perfektes Konzert" präsentieren, vor allem der "weltberühmte Tenor" Stenzel ist sehr ambitioniert. Natürlich geht alles schief, rollt der Flügel unmotiviert über die Bühne, klappt er um, schwebt der Sänger später gar - Musikcomedy der schöneren Sorte.

Das Gauklerfest-Finale soll stets einen Querschnitt durch die Vielseitigkeit des Festivals bieten. Diesmal rundeten der Diabolo-Jonglage-Gameboy Super Miko vom Duo Green Gift, die Musikkomiker von Butterfahrt 5, die musikalische Keulen-Jonglier-Boygroup Trigolos und der Zauberer Scott the Magician mit seiner schrillen Assistentin Muriel das temporeiche Programm ab.

Tim Kosmetschke



Koblenz, 08.08.2006


Mit einem großen Finale ging am Sonntag das 15. internationale Gaukler- und Kleinkunstfestival in Koblenz zu Ende. Drei Tage lang staunten Zehntausende von großen und kleinen Zuschauern über Zauberer, Akrobaten, Komiker und Artisten.

Le Mime DanielDie Jury zeichnete folgende Künstler aus:

Varietépreis der Stadt Koblenz, "Stiftung Zukunft" der Sparkasse Koblenz für:
Kai Eikermann, 2.000,- €

Gaukler- und Kleinkunstfestival Preis 2006:
1. Le Mime Daniel (Paris), 3.000,- €
2. Farellos (Berlin), 2.500,- €
3. Stenzel und Kivits (NL), 1.000,- €

Sonderpreise:
1. Trio Sorrentino, 500,- € und Einladung zum Gauklerfest 2007
2. Rue Piétonn, 500,- € und Einladung zum Gauklerfest 2007

Der Sonderpreis "Arsch mit Ohren" vom Förderverein Kultur im Café Hahn ging in diesem Jahr an: The Pops



Rhein-Zeitung vom 07.08.2006

 

Gaukler verzaubern wieder die Altstadt

Am Wochenende schauten Zehntausende fasziniert den Artisten zu

Wenn eine etwas betagte Frau im Ganzkörper-Leopardenfell-Kostüm am Bierbrunnen steht, wenn sich eine überdimensionale Schnecke durch den Entenpfuhl schiebt, wenn ein Vogel Strauß am Görresplatz vor allen Leuten ein Ei legt - dann ist entweder gründlich was faul in der Stadt Koblenz, oder es ist Gauklerfest. Wie jetzt am vergangenen Wochenende.

KOBLENZ. Zu den besonderen Eigenschaften des Koblenzer Gaukler- und Kleinkunstfestivals, kurz: Gauklerfest, gehört seine spezielle Dramaturgie. Das Fest beginnt am Freitagabend noch recht beschaulich - nur die große Schulhofbühne am Görres wird von den Artisten und Künstlern bespielt. Dann kommt der Samstagnachmittag, die Wochenend-Einkäufer überlassen die City langsam, aber sicher den Komikern und Faxenmachern sowie deren Zuschauern. Das steigert sich zunächst bis in den späten Abend, am Sonntagnachmittag gibt es die Fortsetzung - und dann gipfelt alles im großen Finale.

So applaudiert und lacht, amüsiert und staunt sich die Stadt alljährlich im August in einen spaßigen Feier- und Kulturrausch, dessen Beginn mit der Varietégala am Freitag für dieses Jahr schon jede Menge Lust auf zwei weitere Tage Aktionen und Attraktionen machte. Das Trio Grande führte in verspielt-traditioneller Varieté-Manier durch ein Programm mit ganz besonderen Akteuren.

Einer von ihnen ging schließlich preisgekrönt nach Hause: Kai Eikermann, Meister der fein gespielten Komik wie der spektakulären Akrobatik, erhielt den Varietépreis der Stadt - von der Stiftung Zukunft der Sparkasse mit 2000 Euro dotiert und zudem die Berechtigung eingeschlossen, im Weihnachtsvarieté des Café Hahn aufzutreten. Dann wird das Publikum ihn besser kennen lernen und nicht mehr auf den lustigen Trick reinfallen, ihn zu Beginn seiner Nummer dank Toupet für einen Zuschauer zu halten, der plötzlich auf die Bühne gerufen wird - und einen Striptease vorführen soll.

Das Gauklerfest ist aber vor allem ein Straßen-Kleinkunstfest. Damit ging es dann am Samstag auf elf Bühnen und Spielflächen los - und vielen neuen Künstlern, aber auch guten Bekannten. Scott the Magician zum Beispiel, der sich im Jahr 2000 in die Siegerliste des Fests eintragen konnte und wiederum - gemeinsam mit seiner aufgedrehten Assistentin Muriel - Pannen-Zauberei auf einem hohen Level präsentierte.

Auf dem Jesuitenplatz jonglierten The Dominix kunstvoll mit Keulen und Kugeln, am Plan zeigten The Fifth Wheel poetische Marionetten-Kunststücke, während auf dem Görresplatz Le Mime Daniel als Vogel Strauß in unglaublicher Körperverrenkung staunen machte.

Eine Neuerung in diesem Jahr: Im Schängel-Center gab es eine "Innenraum-Bühne", gut geeignet etwa für die Stand-up-Comedy von Murat Topal oder die Jonglage-Comedy von Barry Gould.

Überhaupt, Comedy: Reine Artistiknummern gibt es beim Gauklerfest kaum noch, stets wird der zusätzliche Entertainment-Faktor gesucht, wie etwa bei den Farellos, deren temporeiche Einradnummer smarte Gags bereithält.

Stimmakrobaten (Günter Fortmeier), Musikkomik (Butterfahrt 5, The Beez), Seiltanz (Luftgaukler) und allerlei andere Kunststücke (Stenzel und Kivits, Green Gift) zeigten, wie breit das Spektrum dieses Festivals ist. Und dabei war jetzt von den aufwendigen Walk-Acts noch nicht einmal die Rede ...

Ein Star-Aufgebot bot zudem der Samstagabend, als Oropax und das Duo Fullhouse die Gauklergala auf dem Schulhof moderierten. Mit Angel Ramos Sanchez ("Pepe") und Men in Coats standen zwei Hochkaräter der Varietészene auf der Bühne. Vor allem die "Männer in Mänteln" faszinierten mit einer geradewegs sensationellen "Visual Comedy"-Nummer und geschätzt einer halbe Million Einfälle. Beste Einstimmung also auf den Final-Sonntag.

Tim Kosmetschke