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Pressespiegel 2004



Rhein-Zeitung vom 27.07.2004

 

Von der Kunst der Verblüffung

Gauklerfest ging mit atemberaubender Show im Zelt zu Ende - Jury kürte Christoph Engels zum Sieger - Schriller Moderator

Mit einem furiosen Finale ist das 13. Gaukler- und Kleinkunst-Festival der Stadt Koblenz auf der großen Zeltbühne zu Ende gegangen. Zum Schluss der aufregenden Show voller Artistik und Komik kürte die Jury den Jongleur Christoph Engels auf den ersten Platz. Zweite wurden "Junge Junge!", auf dem dritten Platz landete "Trifolie".


KOBLENZ. Im Varieté, vielleicht in der so genannten Kleinkunst überhaupt, geht es um die hohe Kunst der Verblüffung: Da sind welche dabei, die können unerhörte Sachen, jonglieren mit gefährlichen Gegenständen, klettern kunstvoll auf höchste Hochräder oder bringen alle zum Lachen mit ausgemachtem Blödsinn, flott erzählt. Mit welchen Mitteln ein euphorisches Publikum, wie es das Koblenzer Gauklerfest-Final-Publikum traditionell ist, verblüfft werden kann, zeigte die Show zum Schluss des Festivals eindrucksvoll: Künstler aus unterschiedlichsten Genres zeigten Artistik und Kleinkunst auf hohem Niveau - durchaus repräsentativ für das drei Tage dauernde Fest in der Altstadt.

Es war schließlich der gebürtige Kröver Christoph Engels, den die Jury ziemlich eindeutig auf den ersten Platz wählte - ein temperamentvoller Vielkönner mit Fantasie und frechem Mundwerk. Jonglage mit der Kettensäge: Das klingt nicht nur gefährlich, das ist es auch. Bei Engels allerdings wird daraus eine unterhaltsam-komische Nummer mit Esprit, vor allem, wenn er schlagfertig mit dem Publikum agiert. Engels, der im Jahr 1999 bereits ein Mal den zweiten Platz beim Koblenzer Gauklerfest belegte, überraschte zudem mit einer neuen Nummer: Auf einer riesigen, von unten farbig angestrahlten Trommel sitzend wird er von oben mit Wasser begossen, zur Musik trommelt er dann wilde Rhythmen - und das Wasser spritzt und splasht in bunten Fontänen im Takt.

Zweiter Platz für "Junge Junge!": Das Zauberduo - den Koblenzern aus dem Oster-Varieté im Café Hahn bekannt - überzeugte Publikum und Jury nicht nur mit der hervorragend "kopflosen" Zauber-Nummer "Englishman in New York" (siehe RZ vom Montag). Die köstliche Bauchredner-Einlage von Andreas Römer und vor allem die im besten Sinne verblüffende Hut-Performance (in der drei schlichte Filz-Scheiben immer neue Hutformen darstellen) ließ das Publikum jubilieren.

Auf dem dritten Rang schließlich das Visual-Comedy-Trio "Trifolie", die in herrlicher Pantomime absurde Situationen zu kleinen Erzähl-Handlungen ausbreiteten.

Das vom schrillen Kay Ray ("Ich habe keine Angst vor flachen Witzen!") kongenial moderierte Finale hatte noch mehr zu bieten. So glänzte der Frankfurter Vince Ebert mit einer Stand-up-Show wie aus dem Lehrbuch - genauer: Aus dem Physik-Buch. Denn über diese Zunft machte er sich bevorzugt lustig. Etwa mit dem Brüller aus der nicht-euklidischen Geometrie: "Mein Ball fällt um." Wesentlich strenger ging da der österreichische Oberlehrer Helfried mit seinem Publikum um: Schon ein simples Husten führte zu einer Strafe nicht unter 50 Cent. In hintersinnigen Liedern voller Ironie zeigte der komische Kauz die Abgründe seiner eigentlich stocksteifen Erscheinung auf - eine ruhige, sensible Darbietung voller leiser Lacher und skurriler Poesie.

Da waren "Monster Blonde" schon ein anderes Kaliber: Die drei Damen vom Thrill zeigten sehr leicht geschürzt Artistik am Vertikalseil, wanden sich elegant in höchsten Höhen über den Köpfen des Publikums, entknäulten sich dann wieder spektakulär.

In der Höhe spielte sich auch die Kunst von Nily Nils ab - um sein Hochrad zu besteigen, brauchte er die Hilfe von drei mutigen "Freiwilligen" aus dem Publikum, oben jonglierte er mit scharfen Messern und einem Apfel, den er zu allem auch noch verspeiste.

Ein "Finale furioso" also, eine kurzweilige Show voller Höhepunkte. Gewinnen kann leider nur einer.

Tim Kosmetschke



Rhein-Zeitung vom 26.07.2004


Stelzer staksten durchs Gedrängel

Giggelndes Gewimmel, Gewirr und Gelächter: Gaukler begeisterten am Wochenende Groß und Klein in der Koblenzer Altstadt

Es ist ein Fest der großen und kleinen Kinder und ein Höhepunkt im Jahreskalender der Koblenzer Ereignisse. Und auch der gute Petrus muss ein Gaukler sein: Am Samstag bescherte er mit herrlichem Sommerwetter den Koblenzern einen grandiosen Auftakt zum 13. Internationalen Gaukler- und Kleinkunstfestival.

KOBLENZ.Viel verrücktes fahrendes Volk und zahlreiche zusammenstehende Zuschauer bevölkern die Altstadt, ein Durchkommen ist kaum noch möglich. Gewirr und Gelächter überall, Stelzer staksen herum, Kinderwagen schieben sich durchs giggelnde Gedrängel, lustige Luftballons schweben gasgefüllt hoch über dem prallen, bunten Leben.

Fratzengesichter erschrecken, Clowns veralbern, Jongleure sorgen für riesige Kinderaugen. Wer nicht genau hinschaut, verpasst die Hälfte. Auf Schritt und Tritt kommt den Menschen Spaß entgegen, hinter jeder Altstadt-Ecke wartet die noch nie gesehene Sensation, fremde Sprachen hängen in der Luft, übertragen aus rauschenden und knacksenden mobilen Lautsprechern.

Feuerfackeln rädern durch die Luft, grimmige Grimassen glotzen, eine Litfaßsäule schiebt sich stumm über das Kopfsteinpflaster. Eine Litfaßsäule? Ja, selbst sonst unbewegliche Materie bekommt in diesen Tagen eine Seele, mischt sich begeistert unters Volk. Wie zum Beispiel "Bassi", der liebenswerte Kontrabass, der gemeinsam mit "Herrchen" Kontakt zu allen Zweibeinern aufnimmt und sicherlich einer der lustigsten Straßenkünstler ist, den Koblenz je gesehen hat.

Das hat Koblenz noch nie gesehen; manchmal wünschen sich die Zuschauer, sie hätten die Augen lieber fest verschlossen. Wenn ein Opel Kadett adrett auf der Bühne vor dem Görres-Gymnasium steht und dann von den Zerstörern namens "Auto Auto" zu Tschaikowsky-Klängen mit dem Vorschlaghammer versohlt wird. Da spaltet das Duo nicht nur das Autodach, sondern auch das Publikum. "Aufhören", schreien sie von links, "weitermachen" von rechts. Sie machen im wahrsten Wortsinn Schrott, die Jungs - und dennoch: Das Gauklerfest lebt von den Extremen, von den Spinnern, über die das Publikum noch Tage später erregt debattiert.

Aufmachen kann man die Augen getrost bei der süßen Überraschung namens "Ice Man". Dieser sympathische alte Herr tratzt Kinder und Jugendliche beim Eisverschenken, macht wilde Spielchen mit Eistüte und Eiscreme - die Zuschauer können nicht genug bekommen von seinen Späßen.

Die "Clog-Hoppers" hat es sogar zum ersten Mal nach Deutschland verschlagen. Das liebenswürdige Duo aus Großbritannien bibbert vor dem ersten Auftritt "in German" - und ist umso erfreuter, als die Koblenzer ihre kecke Western-Nummer begeistert aufnehmen. Hoch in die Luft gleiten die Blicke, wenn die extrem sexy Girls von "Monster Blonde" ihre Verrenkungen am Vertikaltuch vollführen. Dass das nicht immer synchron ist, stört die Männer nicht; die haben genug zum Gucken. Das Gauklerfest ist eben für die ganze Familie gut ?

Es gibt die begnadeten Pantomimen von "Trifolie", die sich im Ruderboot den Wasserfall herunterstürzen, zwei Billardkugeln Leben einhauchen und gnadenlos komisch einen Elfmeter spielen. Es gibt die Wortkünstler, bekannte wie Vince Ebert und Ole Lehmann oder auch eher unbekannte wie den Hunsrücker Zwerchfell-Masseur Matthias Jung, die es nicht immer leicht haben, die Augen des vorbeieilenden Publikums zu bannen. Und da sind die Zauberer, allen voran "Junge Junge" mit einer Nummer, bei der nicht nur die beiden den Kopf verlieren.

All das bunte Treiben ist aber nicht nur aus reinem "Spaß an der Freud"; eine Jury aus Koblenzer Kultur- und Medienvertretern mischt sich mit wachen Augen unters Gauklervolk, um die besten sieben Nummern zu küren. Denn der Koblenzer Kleinkunstpreis ist inzwischen eine in der Branche sehr begehrte Auszeichnung.

Michael Defrancesco



Rhein-Zeitung vom 26.07.2004

 

Echt ulkige Gesichter


Die Gaukler waren am Wochenende in Hochform


Wie gerne ließen sich die Koblenzer am Wochenende etwas vorgaukeln: Die Straßen und Plätze der Altstadt waren prall gefüllt mit herrlichen Gesichtern und schrägen Typen. Aber auch auf den Showbühnen ging es rund.

KOBLENZ. Gerade in den heutigen finanziell gebeutelten Zeiten freuen sich die Familien besonders darüber, dass alle Veranstaltungen des Gauklerfestes kostenlos zugänglich sind. Auch die beiden großen Bühnenshows, die am Freitag und am Samstagabend auf dem Schulhof des Görres-Gymnasiums auf der Hauptbühne begeisterten.

Die Moderatoren Mundstuhl und Sanjay Shihora führten durch ein abwechslungsreiches Programm, das von Musik über Comedy bis hin zu Akrobatik alles bot. Große Kunst, wie von der "Tierschau", ließ die Zwerchfelle beben. Die alten schwäbischen Haudegen der Comedy-Szene waren immer wieder für eine Überraschung gut. Nicht zu vergessen: Bülent Ceylan und Christoph Engels und seine Whirlpool-Nummer. (md)